ie Herstellung von Puppenkleidern, einfach nur nett oder aber luxurišs, ist nicht neu. Für unsere Puppen konnte und kann nämlich nichts gut genug sein. Stoffe, Stickereien und Accessoires tragen seit jeher zur stillen Grazie unserer hübschen Gefährtinnen bei. Wenn aber eine Mode die andere ablöst oder in eine andere übergeht, dann ist klar, dass heutige Kleider nicht mehr viel gemeinsam haben mit denen, die sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts trugen. Wie sagte man und sagt man noch heute so schön über ein kleines Mädchen, das übertrieben sonntäglich gekleidet ist, oder sogar über eine Erwachsene: "Wie eine Puppe ! "

Heutzutage herrschen ein einfacher Schnitt und ein fröhlicher oder geblümter Stoff vor. Ehrlich gesagt, die Puppen unserer Tage sind angezogen wie Kinder. Vor dem Ersten Weltkrieg hingegen waren die Kleider sorgfältig gearbeitet, aufwendig genäht und reich geschmückt, man ging grosszügig um mit Material und Design. Darin folgte man der anspruchsvollen Damenmode, abgesehen davon, dass die Kleider kurz waren.

 

 

o können Sie entdecken, dass die im Jahr 1905 herausgebrachten Kleider kurz waren, sehr kurz sogar, nicht mal knielang, so dass kein Höschen verdeckte (ja, ja, Suzanne!), dass die Puppen im Winter Strümpfe und Stiefeletten trugen, Socken und flache Schuhe zur schönen Jahreszeit ... manchmal auch gar nichts wie diese kleine schwarze Puppe, die uns mit der Realität in unseren Kolonien zu dieser Zeit konfrontiert.

Auch die Basken sind vertreten durch den kleinen Jungen mit geschnürten Segeltuchsandalen und der Baskenmütze. Reizend auch diese kleine Italienerin. Allgegenwärtig in diesen wenigen Beispielen schliesslich die kleine Elsässerin, deren 1870 verlorene Provinz in den Herzen der Franzosen tief verankert blieb.

Und haben Sie eigentlich die hohe Qualität der Zeichnungen bemerkt, ihre Präzision ? Nichts fehlt, alles ist da! Im Januar keine Gelenke, weder die der Ellbogen, noch die Handgelenke oder die Knie sind zu sehen, aber im Juli, oh la la ! da zeigt man alles.Jedes Gelenk ist sorgfältig gezeichnet.

 

 

 

s kommt sogar klar zum Ausdruck, dass eine dieser kleinen Puppen "Papa, Mama" sagt, geht und schläft! Angesichts dieser unendlich feinen Details, die freiwillig gefertigt wurden, was ist von den geschlossenen Mündern zu halten? Schauen Sie genau hin, einige von ihnen sind geschlossen, was darauf hin zu deuten scheint, dass sie noch sehr häufig waren. Sehen Sie auch die schmalen Augenbrauen, die grossen mandelförmigen Augen, die Perrücken...

Wir schreiben das Jahr 1905, die Firma JUMEAU ist offiziell seit sechs Jahren verschwunden, aber die Formen, die Anlagen, das Know-how und ihr Geschmack sind immer noch da. (Es ist auch das Geburtsjahr der Bleuette, der kleinen Puppe, die in der Semaine de Suzette "Jumeau-Puppe" genannt wird). Und zu guter Letzt diese voluminösen Frisuren, diese "Chouquetten", gekrönt mit einem riesigen, herrlichen Hut.

 

 

iele Schleifen, englische Stickerein, überall Spitze.Andererseits - abgesehen von der doppelten Glasperlenreihe des schwarzen Mädchens und der einfachen der kleinen Italienerin - kein Schmuck, keine Ketten, keine Medaillons. Respekt vor der Religion, Weisheit? ... eine Zurückhaltung, die im Widerspruch zum Reichtum der Kleidung steht. Diese wirklich sehr hoch entwickelte Mode wird mit dem Ersten Weltkrieg und der schrittweisen Befreiung der Frau verschwinden, und die Puppenkleider werden natürlich nachfolgen.

Diese herrlichen Illustrationen sind der aussergewöhnlichen Zeitschrift "La Poupée Modèle" (1905) entnommen. Wir haben drei von vier ** Tafeln wieder gefunden dank der reichhaltigen, wunderbaren Bibliothek von Suzanne Gautrot, der wir an dieser Stelle ganz herzlich für ihren Beitrag danken möchten.

**In einer frueheren Version fragten wir, ob eine(r) unserer Besucher(innen) uns diese vierte Illustration zur Verfuegung stellen koennte. Das ist nun zu unser aller Freude geschehen! Unser Freund, Herr Samy Odin, Direktor des "Musée de la Poupée (Paris)" hat in seiner reichhaltigen Bibliothek gesucht und das Bild gefunden, das in diesem Artikel noch fehlt.

 

 

 

 

ch wunderte mich sehr, kein religioeses Symbol zu finden, in welcher Form auch immer. Solche Bezuege waren in der Tat haeufig bis zu dieser Epoche und auch danach. Vergessen wir nicht, dass die Trennung von Kirche und Staat erst 1905 erfolgte und schliesslich durch die Kongregationsgesetze beendet wurde. Diese vierte und letzte Illustration bestŠtigt genau diesen Punkt mit dem entzueckenden Kommunionskleid, das diese herrliche Seite schmueckt. Danke, Monsieur Samy Odin! Es sei uns gestattet, an dieser Stelle an die sehr schoene und sehr interessante Ausstellung zu erinnern, die gerade in seinem Museum laeuft. Das Thema heisst genau: "LES TROUSSEAUX DE POUPÉES (Puppenkleider)". In der Rubrik "Agendas" finden Sie praktische Tips, wie sie dort hin kommen.

 

Hélène BUGAT-PUJOL

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Aus dem Französischen übersetzt von Eberhard Geyer.

Alle Rechte der Reproduktion (Texte und Fotos), auch auszugsweise, vorbehalten. ©Dépot Légal B.N.F..2001 Cote 4-D4 PER-880

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